Wer war Johanna Moosdorf?
Kurz zusammengefasst:
Johanna Moosdorf war eine Schriftstellerin, die 1911 in Leipzig geboren wurde. In der Zeit des Nationalsozialismus durfte sie keine Bücher veröffentlichen, da ihr Mann Jude war. Nach dem Krieg schrieb sie über Mut, Gerechtigkeit und starke Frauen. Für ihr Schaffen erhielt sie 1963 den „Nelly-Sachs-Preis“. Ihr Leben war von Verlust und Widerstand geprägt, zumal ihr Mann in Auschwitz ermordet wurde. Sie hat ihre Bücher auch noch im hohen Alter geschrieben – trotz starker Sehschwäche. In ihrer Heimatstadt Leipzig erinnert heute unsere Schule mit ihrem Namen an sie.
Zum Weiterlesen:
Kindheit und Jugend
Johanna Moosdorf wurde am 12. Juli 1911 in Leipzig geboren. Ihr Vater war Buchdrucker und schon als Kind wuchs Johanna in einem Haus auf, in dem Bücher und Geschichten eine wichtige Rolle spielten. Sie besuchte später eine höhere Mädchenschule. Schon früh interessierte sie sich fürs Schreiben.
Nachdem Johanna die Schule beendet hatte, begann sie mit dem Schreiben eigener Texte. Sie verließ Leipzig und ging nach Berlin. Dort heiratete sie 1932 den Politikwissenschaftler und Schriftsteller Paul Bernstein. Gemeinsam träumten sie von einer Zukunft, in der sie beide schreiben und sich gegenseitig unterstützen konnten.
Sie arbeitete an ersten Gedichten und Erzählungen und bereitete ihren ersten Gedichtband vor. In dieser Zeit war sie optimistisch. Doch dann kam 1933 die Zeit des Nationalsozialismus – und mit ihr veränderte sich alles.
Schwierige Zeiten unter dem Nationalsozialismus
Als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, änderte sich für Johanna vieles. Sie hatte 1932 Paul Bernstein geheiratet. Er war jüdisch und wurde später von den Nazis verfolgt und in Ausschwitz ermordet. Schon 1933 sollte Johannas erster Gedichtband erscheinen, aber er wurde zurückgezogen, weil ihr Mann Jude war und sie selbst kein Mitglied der Reichsschrifttumskammer.
Johanna floh mit ihren Kindern zuerst in das Sudetenland, das Gebiet der späteren Tschechoslowakei, um ihre halbjüdischen Kinder vor Verfolgung zu schützen.
Nachkriegszeit
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Johanna zurück nach Leipzig. Sie hatte schwere Zeiten hinter sich und brauchte eine Weile, um sich zu erholen. Doch sie begann zu schreiben und veröffentlichte bald Gedichte und Romane. Zum Beispiel kam 1947 ihr Gedichtband “Brennendes Leben” heraus und ihr Roman “Das Bildnis”.
Sie arbeitete eine Zeitlang in Leipzig für eine Literaturzeitschrift namens März. Noch vor dem Mauerbau zog sie 1950 nach West-Berlin, weil sie kritische Texte über die DDR schrieb und als „zu bürgerlich“ galt. Dort lebte sie als freie Schriftstellerin und bekam 1963 den Nelly- Sachs- Preis für ihr Engagement.
Themen und wichtige Bücher
Johanna Moosdorfs Bücher sind etwas Besonderes, weil sie oft schwierige Themen behandelte, so z. B. die Frage: Was passiert mit Menschen im Alltag, wenn Unrecht geschieht? Wie wirkt sich der Faschismus – also die Zeit der Nazis – auf das Leben danach aus? Sie hat auch darüber geschrieben, wie Frauen leben, lieben und ihre Freiheit suchen.
Ein besonders wichtiges Werk ist “Jahrhundertträume” (1989). In diesem Roman verarbeitet sie viele Erinnerungen aus dem eigenen Leben – zum Beispiel an ihre Ehe, den Verlust ihres Mannes und wie sie weiterlebt trotz allem.
Spätere Jahre
In höherem Alter wurden Johannas Augen immer schlechter, was sie immer mehr als Schriftstellerin einschränkte. Schließlich konnte sie kaum noch lesen oder das Haus verlassen. Doch durch Hilfsmittel wie ein Vergrößerungsgerät und indem sie blind schrieb, konnte sie weiterarbeiten. Sie blieb kreativ und schrieb bis ins hohe Alter.
Johanna Moosdorf lebte viele Jahre in Berlin in der Kastanienallee 27. In diesem Haus arbeitete sie bis zu ihrem Tod. Am 21. Juni 2000 verstarb sie im Alter von 88 Jahren.
Erinnerung und Bedeutung
Auch heute wird Johanna Moosdorf nicht vergessen. In Berlin gibt es eine Gedenktafel an ihrem Wohnhaus, damit Menschen, die dort entlang gehen, an ihr Leben erinnert werden. Es gibt eine Bibliothek – die Johanna-Moosdorf-Bibliothek.
Außerdem trägt unsere Schule ihren Namen, um zu zeigen: Ihre Geschichte und ihr Werk sind wichtig und lehrreich.
Textprodukt von Schülerinnen und Schülern aus dem individuellen Lernangebot zu Johanna Moosdorf.
